Suntory Destille in Hakushu (sprich: „Hakshu“)

Ein Regionalzug bringt uns vom Mt. Fuji nach Kobuchizawa. Eine schöne Gegend. Berge, viel Wald, wenig Häuser. Die Zimmersuche ist diesmal etwas mühsam. Trotz viel Tourismus scheinen zunächst alle Übernachtungsmöglichkeiten geschlossen – die Saison ist vorbei, wie ein hilfsbereiter Reisender aus Tokyo erklärt. Letztlich wird es unsere einzige Nacht in einer Jugendherberge. Ganz o.k., wenn auch zum Preis eines Hotels. Die ganze Region scheint die eigene Kultur vergessen oder verdrängt zu haben. Hier gibt es eine Ranch neben der anderen – echte japanische Cowboys können sich an diesem Ort in den Sattel schwingen. In einem mexikanisch gestylten Restaurant gibt es für mich Spagetti Carbonara zum Abendessen. Olafs kritischer Gesichtsausdruck verfliegt, nachdem er eine nicht unwesentliche Menge probiert hat. Der Koch hat es drauf.

Wie kommen wir bloß zu der etwas abgelegenen Destille nach Hakushu? Hier zeigt sich das nahezu perfekt organisierte Japan wieder von seiner freundlichen Seite. Ein kostenloser Busshuttle transportiert den interessierten Besucher vom Bahnhof direkt in die Destille. Neben dem Busfahrer ist eine Art Bodenstewardess an Bord und unterhält die Fahrgäste mit allerhand Anweisungen und Ankündigungen, die wir leider nicht verstehen. Am Eingang der Destille geht es weiter wie gewohnt: Formular ausfüllen, Audioguide entgegennehmen, Frage nach einem mitgebrachten KFZ verneinen. Ein freundliches „ja“ wäre folgenreich: dann ist eine gut sichtbare Bescheinigung um den Hals zu tragen, die es jedem Destillenmitarbeiter verbietet, dieser Person Alkohol auszuschenken. Ein weiteres Stigma dieser Art gibt es für Menschen unter 20 Jahren. Die müssen auch trocken bleiben. Wir haben aber niemanden mit beiden Anhängern zugleich gesehen.

Hakushu ist eine große Destille. Besuchergruppen mit 30-40 Teilnehmern werden im Halbstundentakt durch die gewaltigen Anlagen geführt. Alles wird offen gezeigt, die Still Pots sind in Betrieb, und durch die kleinen Schaufenster sehen wir die Flammen, die aus dem Maischebrei Hochprozentiges werden lassen. Das Lager mit Tausenden von Fässern ist ein paar hundert Meter entfernt, ein Bus steht bereit und bringt die Destillentouristen auch dorthin. Zum Schluss eine Kostprobe des Produktes in einem speisesaalähnlichen Raum. 2 Whiskys, Wasser, Saft, Kekse und ein Stück Schokolade für alle. Wer immer das Buch „Japan umsonst“ schreiben wird, Destillenbesuche sollten ein eigenes Kapitel bekommen.

Mit diesem lauen Minitasting sind wir natürlich nicht zufrieden und begeben uns zur Bar des Hauses. Geordnet und konzentriert verkosten wir 10 verschiedene Tropfen. Alleine 5 Whiskys, die später mit 25 anderen zum „Hibiki 17“ verrührt werden, 3 Single Casks und jeweils das Spitzenprodukt des Hauses, den 25-jährigen Hakushu Single Malt und den gleichaltrigen Yamazaki (beide Destillen gehören zu Suntory). Im Urteil sind sich beide Laienverkoster dann recht einig: alles im guten Mittelfeld, die beiden 25-jährigen ganz lecker. Letztere sehen wir erst beim Abflug im Duty Free wieder – für 750.- Euro die Flasche. Wir haben nicht gekauft.

Nach der Verkostung folgt ein schneller Besuch im großen und liebevoll gestalteten Whiskymuseum der Anlage und ein Essen im eigenen Restaurant. Dieselbe Bushostess begleitete uns wieder zum Bahnhof. Zufrieden fallen wir in die Sitze der Japan Railways. Ein „Bullet Train“ (Shinkansen) befördertert uns dann fast mit Schallgeschwindigkeit in die alte Hauptstadt des Reiches, nach Kyoto.

August 2017
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